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Liebe Maria,
als du 2012 mit deinem P-Seminar nach Island aufgebrochen bist, wollte ich unbedingt mit. Leider war damals kein Platz für eine weitere weibliche Lehrkraft. Hätte ich gewusst, was mir entgeht, wäre es mir vermutlich extrem schwer gefallen, nicht mitzufahren.
Als wir dann ganze 12 Jahre später beim Personalausflug über die Landesgartenschau in Wangen geschlendert sind, haben wir uns über die letzte Lehrerkonferenz unterhalten und uns gewundert, dass niemand die Berlinfahrt des übernächsten Jahrgangs begleiten möchte. „Dann fahren wir halt mit denen nach Island.“, hat eine von uns gesagt – war ich das oder du? Ich weiß es nicht mehr. Wir haben Frau Merwald gleich ganz vorsichtig gefragt, was sie von der Idee halten würde, und sie war nicht abgeneigt. Der Startschuss!
Zwei Jahre Planung liegen jetzt hinter uns, die wahnsinnig arbeitsintensiv waren: Sponsorensuche, Geld durch Partys, Kuchenverkäufe und Putzaktionen verdienen, die Schüler in vielen Etappen fit für die Reise machen, die Kollegen überzeugen, dass die Fahrt eine super Idee ist, und über die wenigen hinwegsehen, die die Fahrt überhaupt nicht befürworten, wenn irgend möglich mit einem Lächeln auf den Lippen oder zumindest im Herzen, mit dem sicheren Wissen, dass hier etwas Großartiges entsteht und wir alle Hindernisse überwinden werden. In manchen Wochen habe ich mehr Zeit in die Islandfahrt investiert als in die Unterrichtsvorbereitung. Und du hattest noch x-Mal mehr Arbeit. War es das alles wert?
Absolut.
Wir kommen zurück nach 8 unvergesslichen Tagen auf der Insel aus Feuer und Eis (ich weiß, das klingt dir zu abgedroschen, aber es passt eben auch so gut). Es war auch während der Fahrt unfassbar viel Arbeit: Wir sind 2000 km Auto gefahren, 60 km gewandert, haben 3 Bäder besucht, 2 Kirchen und 5 Museen, haben den Ort des wahrscheinlich ältesten Parlaments der Welt gesehen, sind mutig in einen heißen und zwei eiskalte Bäche gesprungen und haben tausende Male die Landschaft und den Horizont bestaunt. Wir waren nie vor Mitternacht im Zelt und haben auch dann noch Abrechnungen gemacht, Blog geschrieben, den nächsten Tag durchgesprochen und den vergangenen Revue passieren lassen.
Wir haben unzählige Dinge gelernt über Gletscher, Vulkanismus, Tektonik, die Geschichte Islands, Wale und den Walfang und die Politik im Land. Und alles, was du uns gezeigt und erklärt hast, haben wir mit unseren eigenen Augen gesehen, am eigenen Leib erfahren, mit unseren eigenen Füßen erwandert, das heiße und das eiskalte Wasser, den scharfen Wind, teils gespickt mit stechenden Sandkörnern, auf der eigenen Haut gespürt, den Schwefel aus den Schlammtöpfen und Fumarolen mit der eigenen Nase gerochen, das Gletschereis unter den Füßen mit den eigenen Ohren knirschen gehört. Wir kommen zurück mit einem riesigen Rucksack voller Eindrücke und Erfahrungen, die uns niemand mehr nehmen kann.
Mindestens genauso beeindruckend wie das Land an sich war für mich das Miteinander. Wir beide, die wir als Team harmoniert haben, wie wir es uns besser nicht hätten vorstellen können. Kompetenzen ergänzen in Perfektion.
Unsere Männer im Team, die (fast) zu allen Schandtaten bereit waren, sei es, der Kollegin für den Gletschertümpel die Badeshorts auszuleihen, den wilden Haufen singender Jungs und Mädels im Björnbus durch ganz Island zu fahren, die x-te Blackstory im Lundi mit anzuhören oder die eigenen Bedürfnisse schon wieder hinten anzustellen, damit der Plan aufgeht, den wir ausgeheckt haben.
Und unsere 26-Mann-und-Frau-starke Schülercrew. Diese unfassbar tollen jungen Erwachsenen, die sich in Staunen haben versetzen und von unserer Begeisterung haben anstecken lassen. Die auch um 23 Uhr nach Zeltaufbau, Kochen, Abspülen und Abschminken noch mit uns aufgebrochen sind, um sich mit uns vom Wasserfall, vom Sonnenuntergang oder der Spalte zwischen den Kontinenten verzaubern zu lassen. Die kameradschaftlicher nicht hätten sein können und sich gegenseitig und uns jederzeit geholfen haben, wenn angepackt werden musste. Die uns wach gehalten haben, wenn die Autofahrt lang wurde. Die die Zähne zusammengebissen und die Landschaft trotzdem genossen haben, auch wenn der Sturm uns den Sand ins Gesicht gepeitscht hat oder der Regen von der Seite kam und die Wanderung noch nicht mal zur Hälfte geschafft war. Die uns aus ihrer Müslischüssel haben essen lassen oder uns von der Tankstelle eine Caprisonne oder einen Eiskaffee mitgebracht haben - ungefragt. Die sich gefreut haben, auch über die kleinen Momente, die es auf so einer Reise wertzuschätzen gilt. Die ihre Freude, ihr Lächeln (unzählige, herzerwärmende, lächelnde Gesichter) genauso wie ihre Sorgen mit uns geteilt haben, und uns so riesiges Vertrauen entgegengebracht haben.
Wie sind wir alle gewachsen!
Ich habe nur noch zwei Dinge zu sagen:
Danke!
Und:
Maria, es war soooo schöööön!
Anne
Auch ich möchte noch abschließend ein paar Worte loswerden:
Dass Island die Anstrengung wert sein würde, war mir von Anfang an klar. Ich war schon öfter auf der Insel gewesen und kenne sie gut. Sonst hätte ich niemals die unglaublich intensive Organsisation und die immense Verantwortung auf mich genommen. Viele, sehr viele haben mich für verrückt gehalten, mit 30 Leuten, die zum allergrößen Teil keine Outdoor-Erfahrung hatten und noch nicht oft und weit gereist waren, zum Campen nach Island zu fahren. Auch ich hielt mich immer wieder für verrückt. Aber Island, dieses faszinierende Land, hat mich wie schon so oft magisch angezogen und so konnte ich nicht anders, als das Abenteuer anzugehen.
Über den Beitrag, den Island zur Reise geleistet hat, brauche ich nicht zu schreiben. Trotz vieler Reisen in viele Länder hat mich nie ein Land mehr berührt. Die Landschaft, die Luft, die Menschen, die Natur - sie sind unbeschreiblich und nicht auf Fotos zu bannen.
Darüber hinaus haben aber zwei Punkte ganz wesentlich nicht nur zum Gelingen der Fahrt beigetragen, sondern um ein Vielfaches meine Erwartungen übertroffen.
1. das Wetter: Odin und Thor waren auf unserer Seite! Ich bin sehr froh, dass wir neben Sonnenschein und 20 Grad auch kurze Episoden von Kälte, Regen, Orkan und Sandsturm hatten. - Die Reisegruppe hätte mich sonst für eine übertreibende Lügnerin gehalten. :)
2. das Team: Ihr habt wirklich alle meine Erwartungen übertroffen! Ich war mir sicher, dass irgendwann aufgrund der Anstrengungen, des umständlichen Alltags, der Enge in den Autos, der drei Quadratmeter in den Zelten, der permanenten Helligkeit, des dürftigen Essens, der mangelnden Hygiene, der fehlenden Privatsphäre in den Toilettenhütten, der langen Autofahrten, dass irgendwann der Lagerkoller kommen würde. Er kam nicht!
Niemand stand außerhalb der Gruppe, alle haben mit angepackt, die Stimmung war auch in gespannten Momenten gut; nie hat sie einen Tiefpunkt erreicht!
Und dieses Team war:
- DJ Alex, nicht nur oben und unten, sondern immer gute Laune (For ever??)
- Anna, der Sonnenschein, nun Profi im Rucksackpacken
- Ariane, die uns auf den Geschmack von veganen Köttbullar gebracht hat
- Elly, die elegante Stewardess, verzaubert vom Südpolarmeer, äh, Nordpolarmeer
- Emma - "Oh mein Gott! Frau Brockmann!"
- du, Finn ;)
- Jakob, die Partykanone (#gasoliiiiiiina), der ab sofort alle Schilder im Schwimmbad liest
- Johanna, ungeschminkt und ohne lange Fingernägel
- Jonas von der Orga, dem ich noch einen Pylsa schulde!
- Korbi, der heimliche Geograph und Experte für Aufforstung
- Lara, Siegerin über den Schnupfen, immer ein Strahlen in den Augen
- Löschdecken-Lennox (Außer meiner Hose hat glaub nix gebrannt.)
- Leonie die Ausgeglichene und Blackstory Queen
- Lissi, Stimmungsmacherin der Björn-Bande und immer für einen Lacher zu haben
- Lilly, die als Einzige mit einer Islandnarbe angeben kann
- Marko, mei, Marko halt :)
- Marsian, mein Blogpartner, der selbst um Mitternacht noch meine Fotoänderungswünsche erfüllt hat
- Mika, dessen Kocher angeblich brannte
- Nikolas am Funk. Over. (Mehr Funkdisziplin, Leute!)
- Saralea die Starke, die über ihre Grenze ging
- Toni, KfZ-Experte der 1. Klasse
- Protein-Pauli, der mit mir in die Oper gehen wird
- Ronja, der Ruhepol, wie das Land
- Zoe die Tapfere, die nicht jammert
- Beyza und Lotte, die Walküren aus dem Management, die schon in der 10. Klasse immer wieder nach Island gefragt hatten, was ich damals als Unmöglichkeit abgetan hatte, die über ein Jahr lang mit uns organisiert und Entscheidungen getroffen haben, die unser Sprachrohr in die Gruppe waren, die jeden Auftrag schnell und supergut ausgeführt haben, die uns mental unterstützt haben, die mit uns gekämpft haben, die mit im Wagen der emotionalen Achterbahn saßen, kurz: Ohne euch, Mädels, wären wir nicht gefahren!
- Christoph der Bär, der nun wahrscheinlich einen Hörschaden hat
- Markus, der Einzige, der wusste, worauf er sich einlässt, wenn er mit der Wagner nach Island fährt, und es trotzdem wieder gemacht hat
- Martin mit seinem Humor und immer einem Lächeln im Gesicht, auch nach 200 km übern Mond
- und natürlich meine Anne! Die beste Copilotin aller Zeiten! Wie selten, wenn überhaupt, begegnen einem im Leben Menschen, mit denen man sich so gut ergänzt, dass sie die Dinge genau so machen, wie man sie selbst machen würde? Anne, ohne dich wäre die Fahrt nicht durchführbar gewesen. Du hast das Fähnchen hochgehalten, als ich (mehrfach) aufgeben wollte, du hast hunderte Mails geschrieben, du hast tausende Euro aufgetrieben, du bist die perfekte Partnerin! Ohne dich wäre ich verzweifelt, verrückt geworden, am Wasserfall zurückgeblieben und verhungert. (Anne wird ein Campingkochbuch veröffentlichen. Link folgt.) Während ich mich abends um halb 9, als endlich das Zelt stand, um die Schreibtischtätigkeiten kümmern musste, hat sie köstliche Menüs gezaubert! ("Frau Brockmaaaaann, krieg ich heut Ihre Reste??") Danach gings meist nochmal los zur nächsten Sehenswürdigkeit...
Es bleibt nicht mehr viel zu sagen. Ich war schon oft mit Schülergruppen in der Welt unterwegs. Nie, nie, nie kam es vor, dass ich (ungelogen!) zwischen zwanzig- und dreißigmal am Tag gehört habe: Frau Wagner, so was Schönes hab ich noch nie gesehen! Frau Wagner, ich bin so froh, dass ich hier sein kann! Frau Wagner, Sie haben die Route so gut ausgesucht! Frau Wagner, ich bin Ihnen so dankbar! Frau Wagner, ich bin so glücklich! Frau Wagner, ich war heute den ganzen Tag nicht bei Tiktok! Frau Wagner, ich geh jetzt öfter in die Natur! Maria, es ist sooooooo schööööööön hier! Etc.
So sehr es mir selbst natürlich auf meiner Insel gefallen hat, war Island dieses Mal nicht das Beste für mich an der Reise. Noch viel besser fand ich das Strahlen in euren Augen, eure Versuche, das Erlebte in Worte zu fassen, das Lachen in euren Gesichter, die Freude innerhalb der Gruppe, den Spaß an der Geographie, eure Dankbarkeit, eure spürbare Begeisterung für Island und für die Natur, die Intensität und Wucht der Wirkung Islands auf euch, die ich vom ersten Tag an beobachten und genießen konnte, die mir gesagt hat, dass alle Hürden, alle Arbeit, alle Verzweiflung es wert waren!
Meine Lieben, es war mir eine Ehre!
Maria
